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’Metropolis’ – Die Zukunft ist jetzt

0:02 · Lange vor „Krieg der Sterne“. 0:05 · Oder „Blade Runner“… Viele Jahre, bevor all diese Filme unsere Vorstellungen von der Zukunft prägten, gab es „Metropolis“, den Stummfilm von 1927. 0:21 · Eine Stadt mit fliegenden Autos und Robotern.

0:23 · Erschaffen von Arbeitern, die wie Sklaven ausgebeutet werden. 0:28 · Metropolis– eine Dystopie. 0:35 · Videoüberwachung, künstliche Intelligenz, Maschinen, die die Welt beherrschen. Um zu verstehen, wie „Metropolis“ zur Blaupause für unsere Zukunftsängste wurde, blicken wir zunächst auf die Geschichte, die der Film erzählt. „Metropolis“ spielt im Jahr 2026.

Die Handlung ‘Metropolis’

1:04 · In einer zweigeteilten Stadt. 1:08 · Oben lebt die Elite im Luxus. Unten, im verborgenen Schlund der Stadt, schuften Tausende von Arbeitern, um die Maschinen am Laufen zu halten. Regisseur Fritz Lang integriert okkulte und religiöse Motive in seinen Film. Für den uralten Kampf zwischen den Mächtigen und den Unterdrückten findet er so Kinobilder, die die Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte. Freder Fredersen, der wohlhabende Sohn des Tyrannen, begegnet Maria. Die junge Frau setzt sich für die Versöhnung der Klassen ein. 1:48 · Sie inspiriert Freder, etwas zu verändern. Doch der Erfinder der Stadt, Rotwang – ein verrückter Wissenschaftler– entführt Maria und überträgt ihre Gestalt auf eine Menschmaschine. Maria, nun ein Roboter, soll die Arbeiter beruhigen. Stattdessen entfacht sie eine Revolte. Die Arbeiter erheben sich und zerstören die Maschinen, die die Stadt antreiben. Das löst eine Flut aus, die fast alle Menschen tötet. Schließlich bringt Maria alle zusammen: Freder, seinen tyrannischen Vater, Herrscher von Metropolis und die Arbeiter. 2:39 · Der Film endet mit einer schwierigen Versöhnung und dem Motto: „Zwischen Hirn und Hand muss das Herz vermitteln. “ Fritz Lang inszeniert „Metropolis“ nach einem Drehbuch seiner Frau Thea von Harbou. Der Film kostet fünf Millionen Reichsmark, ein Vermögen in den 1920er Jahren. Die Produktion– eine transatlantische Verbindung zwischen den deutschen UFA-Studios und Paramount Pictures in Hollywood. Gedreht wird über einen Zeitraum von 18 Monaten. Es gibt riesige Kulissen und Tausende von Statisten.

Wie ‘Metropolis’ entstand

3:17 · Das Marketing rühmt sich damit, dass zur Crew tausend kahlköpfige Männer und 750 Kinder gehören. Lang lässt seine Statisten eine Woche im eiskalten Wasser stehen und dreht eine Einstellung nach der anderen für die Flutsequenzen. So entsteht nebenbei auch der erste Katastrophenfilm. Ein Großteil der Requisiten von “Metropolis” wird hier aufbewahrt: In der Deutschen Kinemathek in Berlin. Hier sehen wir Fritz Lang an der Kamera während einer Drehpause. Hier wurde ein Stop-Motion-Rig mit Seilen auf einer Rutsche montiert. 3:59 · Fritz Lang bedient den Mechanismus selbst. Die Absicht war, die Bilder so spannend wie möglich zu gestalten, um das Publikum in der Art eines heutigen Blockbusters zu überwältigen. Viele Originalskizzen und -entwürfe sind erhalten geblieben. Außerdem Miniaturmodelle, mit denen Fritz Lang seine Zukunftsvision umsetzte. Die Ideen des Regisseurs waren wegweisend für künftige Filmemacher. Hier werden wirklich unsere Kronjuwelen gezeigt! Um die Illusion von Suchscheinwerfern über der Stadt zu erzeugen, verwendet Lang Stop-Motion-Animationen und eine Zeichnung. 4:43 · Es ist da mit Lack versiegelt, und man hat dann die nächtlichen Scheinwerfer auf den Lack aufgetragen, hat im Einergang fotografiert, dann hat man wieder einen Millimeter weggewischt, und hat den Scheinwerfer zwei Millimeter nach links wieder aufgetragen oder verbreitert. Und in der Szene sieht es dann so aus, wie sich die Scheinwerfer über der nächtlichen Stadt bewegen. Die Stadt selbst: Eine Kombination aus gemalten Kulissen und Modellen. 5:17 · Um die Illusion von Verkehr zu erzeugen, verrücken Arbeiter jedes Auto, jeden Zug und jedes Flugzeug Millimeter für Millimeter. Wochenlange Arbeit für eine einzige Sequenz. Lang inszeniert sogar das erste Bildtelefon des Kinos– fast ein Jahrhundert vor Videoschalten und Teamskonferenzen. Durch die Synchronisation einer Rückprojektion mit Schauspielern verdeutlicht er: Das Unternehmen sieht alles und überwacht jeden. Diese Sequenz ist das Ergebnis von Mehrfachbelichtungen. Lang spult den Film immer wieder zurück, um die Bilder zu überlagern. 6:00 · So verschmelzen sie zu einer Halluzination. Indem er echte Schauspieler mit Modellen kombiniert, kreiert der Regisseur monumentale Illusionen. Hier verwandeln sich die unterirdischen Maschinen der Stadt in den antiken Gott Moloch, der Arbeiter verschlingt. Immer wenn ich Metropolis sehe, frage ich mich erneut, wie er das gemacht hat. Ich weiß zwar, dass Spiegel und Miniaturen verwendet wurden, aber bis heute habe ich nicht jedes Detail verstanden. 6:31 · Lang erzielt diesen Effekt, indem er durch einen Spiegel filmt, der in einem Winkel von 45 Grad vor dem Modell angebracht wird. Teile der Spiegelschicht werden abgekratzt, so dass er hier durchsichtig wird. Dahinter agieren dann echte Schauspieler. Wo der Spiegel noch intakt ist, erscheint das Spiegelbild der Kulisse. Das sogenannte Schüfftan-Verfahren ist eine Erfindung des Kameramanns Eugen Schüfftan. Die Methode ist so effektiv, dass sie jahrzehntelang verwendet wird. Hier in „Der Herr der Ringe“. Die Burg ist eine Schüfftan-Reflexion.

Roboter Maria und die Popkultur

7:15 · Mit „Metropolis“ schuf Fritz Lang die visuelle Grammatik der Zukunft. Seine Vision einer vertikalen Megacity wurde zum Bezugspunkt für die Ästhetik vieler Science-Fiction-Filme wie „Das fünfte Element“ und „Blade Runner“. Inspirieren ließ sich der Regisseur dabei unter anderem vom New York der 1920er Jahre. Bei Blade Runner sehe ich ganz klar den Einfluss von Metropolis. Als reale Landschaft, in der sich alles bewegt, in Blade Runner fantastisch neu umgesetzt. Es ist also Metropolis auf die Spitze getrieben. 7:48 · Auch Fritz Lang hat sich von New York inspirieren lassen, hat in Deutschland Metropolis gedreht. Und dann wird im „Fünfte Element“ New York wieder inszeniert, auch unter diesen Anleihen. Also da schließen sich auch die Kreise. Wenn ich an „Metropolis“ denke, denke ich an eine Stadt, die immer in der Zukunft sein wird. Und dann ist da der verrückte Wissenschaftler. Zerzaustes Haar, dampfende Chemikalien, knisternde Elektrizität, pulsierender Wahnsinn. Nahezu alle durchgeknallten Wissenschaftler im Kino erinnern an Rotwang aus „Metropolis“. 8:43 · Aber nichts prägt den Film so nachhaltig wie der Roboter, die Menschmaschine Maria. C-3PO aus „Krieg der Sterne“ ist ein direkter Nachfahre. Ebenso wie Ava in „Ex Machina“. „Metropolis“ beschäftigt sich mit der Angst vor der Zukunft, Angst vor technologischer Überwachung und einer Arbeitswelt, in der sich die Menschen den Maschinen unterwerfen. Das der Film sozusagen eine Angst vor Technik zeigt, oder vor der Entgleisung der Gesellschaft in eine Technologie der Diktatur. 9:32 · Die Angst vor der KI verkörpert Menschmaschine Maria.

9:35 · Eine Figur, faszinierend und erschreckend zugleich. 9:39 · Und in jeder Hinsicht den Männern überlegen. Maria folgen andere überwältigende Androiden, Verführerisch, tödlich. Ob als Terminator oder Replikant. Nicht nur in der Filmwelt wird „Metropolis“ zu einem Meilenstein. 10:08 · Auch im Musikbusiness. 10:14 · Queen lässt sich für das Video zu „Radio Ga Ga“ direkt von „Metropolis“ inspirieren. Madonnas „Express Yourself“ greift die Bildsprache von „Metropolis“ auf, um Themen wie Konformität und Rebellion zu erforschen. Viele Leute haben aus dem Film geklaut. Wer ihn sieht, denkt oft: Das kenn ich doch irgendwo her! Es ist ein popkultureller Film, obwohl es zu seiner Zeit Popkultur noch gar nicht gab. Ob Beyoncé oder Zendaya. Bis heute taucht der sexy Maria-Robot-Look immer wieder auf.

Verlust und Wiederentdeckung

10:55 · Am 10. 10:56 · Januar 1927 feiert „Metropolis“ in Berlin Premiere. 11:00 · Der Film floppt. 11:01 · Vor dem US-Kinostart setzt Paramount deshalb großzügig die Schere an. Das einzige Publikum, das den Film komplett gesehen hat, saß bei der Premiere. Danach wurde er so stark gekürzt, dass lange Zeit Keiner den Film erlebte, wie er ursprünglich gedacht war. Die Originalversion geht zwar verloren, aber Experten wissen bald, wieviel und was genau fehlt. Anhand der Partitur des Filmkomponisten Gottfried Huppertz. Und da ist der ganze Film da abgebildet, in der Musik. 11:30 · In der Musik stehen über Tausend Stichwörter, über die Handlung des Filmes, die braucht der Dirigent damit er dem Film folgen kann, damit er weiß wo er ist, wenn er dirigiert, damit es Synchron bleibt. Man konnte schon sehen dass eben dieser Umschnitt radikal war, es fehlen 1000 Meter, der Film hat 4000 Meter, also es ist fast ein Drittel des Filmes, circa 20 Minuten ungefähr, es sind ganze Handlung Stränge draußen, der Sinn ist sehr stark verändert. 12:01 · Weil viel vom Film verloren war, konnte er bei Restaurierungen an den fehlenden Stellen nur durch beschreibenden Text ersetzt werden. Alle paar Jahre sahen die Zuschauer neue Versionen von Metropolis. In den Achtzigern bekommt der Film Farbe und einen Pop-Soundtrack. Er ist verantwortlich: der italienische Disco-Produzent Giorgio Moroder. Auf diese Weise wird „Metropolis“ zwar einer neuen Generation zugänglich gemacht– aber definitiv nicht so, wie es Fritz Lang beabsichtigt hatte. 12:32 · Im Jahr 2008, die Sensation: In einem argentinischen Musuemsarchiv wird eine fast vollständige Kopie von „Metropolis“ entdeckt. Anhand des Drehbuchs und der Filmmusik ersetzen die Restauratoren die Textkarten durch Originalaufnahmen. Zwar mit Kratzern und Beschädigungen, aber annähernd so wie von Fritz Lang gedacht. Der restaurierte Film wird 2010 in Berlin gezeigt. Vor dem Brandenburger Tor. Mehr als 80 Jahre nach der Premiere erlebt das Publikum „Metropolis“ endlich wieder in seiner Gesamtheit.

‘Metropolis’ - bis heute von Bedeutung

13:15 · Bis heute prägt „Metropolis” unsere Vorstellung von der Zukunft: Der Konflikt zwischen Reich und Arm, oben und unten. Unsere Hoffnungen und Ängste in Bezug auf technische Entwicklungen und künstliche Intelligenz. So manche Vision hat sich bereits erfüllt. 13:29 · Stichwort: Massenüberwachung. 13:32 · Zur Erinnerung: die Geschichte spielt im Jahr 2026. 13:36 · Was bringt Fortschritt? 13:37 · Was sollte uns Sorge bereiten? 13:40 · Es sind Fragen, die Fritz Lang gestellt hat. 13:42 · Vor hundert Jahren.